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Bühler Steinbuch - Neuer Markt - Europaplatz

Steinbuch der Stadt Bühl


Das Buch, dessen Stein ehemals zur Verherrlichung
des NS-Staates bestimmt war, 
möge jetzt als Buch an die damalige Unterdrückung der Geistesfreiheit
und deren Überwindung erinnern.


Zur Entstehung des Bühler Steinbuchs

Steinbruch
im vorderen Achertal
Steinbruch
nahe Waldulm 
auf der Schwend


Über den Stein

Der Stein ist ein pegmatitischer Granit, zeigt ein unregelmäßiges porphyrisches Gefüge mit sehr großen, nesterartig angeordneten weißen Alkalifeldspatkristallen von 3-12 cm Länge. Landläufig wird der Stein auch als "Schwartenmagengranit" bezeichnet. Die leichte Rotfärbung wird durch Kalifeldspat verursacht. Quarz erscheint als sulzige graue Masse, die schwarzen Bestandteile sind Biotit aus der Glimmergruppe.

Unser Granit gehört zu den Glutflussgesteinen
und zwar zu den saueren Magmatiten mit 70 % Kieselsäure SiO2.

Er ist im Erdinnern gebildet worden, in ca.30 km Tiefe bei ca.1300 Grad Temperatur und 1000 bar Druck. Während in der Kambrium-Silurzeit Mitteleuropa noch vorwiegend von der Tiefsee bedeckt war, in der folgenden Devonzeit sich meist Insellandschaften ausbildeten, kam es in der Karbonzeit zum Aufstieg des riesigen Variskischen Gebirges, dessen Reste heute noch in den deutschen Granitgebirgen erhalten sind.

Dies geschah vor ca. 250 Millionen Jahren. In diesem Zeitraum gab es an Pflanzen die Farne, Schachtelhalme in Riesen- formen, im Tierreich Knochenfische, Amphibien, Reptilien, Fluginsekten und Seelilien.



Herkunft des Steins

Der Stein kommt von den Bergen am Eingang des Achertals, vermutlich aus Brüchen von Kappelrodeck oder Waldulm/Schwend. 

Wahrscheinlich ist der Herkunftsbruch heute stillgelegt. Aus den genannten Steinbrüchen vom Eingang des Achertals wurden vor etwa 60 Jahren viele Steine gewonnen, die dem Bau der Repräsentationsbauten (geplante Kongreßhalle) auf dem NS-Parteitagsgelände dienten. 

Nach dem Krieg lagerten noch viele dieser tonnenschweren Steine auf dem Bahnhofsgelände von Kappelrodeck. Maßgerecht zugehauene Blöcke sind noch heute in einem stillgelegten Steinbruch auf der Schwend in Waldulm zu sehen.

Ein Teil dieser sogenannten NS- Steine wurde im zweiten Weltkrieg, als das Elsaß von deutschen Truppen besetzt war, abgezweigt und ins Elsaß verfrachtet.  Wahrscheinlich waren sie dort ebenfalls für NS- Bauten vorgesehen. 

Die Steine waren bis zum Herbst 1992 auf einem französischen Militärgelände zwischen Rhein und Straßburg gestapelt. Das Gelände wurde 1992 mit den Steinen verkauft. 

So kamen diese Steine wieder in den Herkunftsbezirk zurück. Es ist mir gelungen aus diesen Rücktransporten einen Stein zu erwerben und diesen zum Steinbuch umzuarbeiten.

Blockauswahl
Gewicht ca. 850 kg
Bearbeitung des Steins
nach Vorarbeiten
 Die Schönheit des Steins kann begeistern.

Man muss den Stein
streicheln um seine angenehme
Oberfläche zu begreifen.

Der Stein eignet sich
zur Meditation angesichts der oben erwähnten steingeschichtlichen 
Entwicklung.

Ein Mitarbeiter der 
Firma Baumann 
arbeitet an der Grundform 
nach einem zuvor angefertigten Modell

Einschleifen des
äußeren Kleids, 

der Seitengestaltung
in wochenlanger 

Arbeit

Vor fast 70 Jahren, am 10. Mai 1933,
begann in Berlin die berüchtigte Bücherverbrennung
- Auftakt für eine allgemeine Hetze gegen die künstlerische Betätigung all jener,
die mit ihrem Schaffen dem propagierten "Deutschen Geist" nicht entsprach
en.


Die aufblätternden Seiten
meines Buches können als Symbol der ewigen Erneuerung gelten
- so wie ein Phönix, aus der Asche sich verjüngend, aufsteigt. 

Aufnahmen Oktober 2007